Annette Juretzki

Die Autorin Annette Juretzki durfte ich vor rund zwei Jahren in einem Autorenforum kennenlernen. Räumlich trennen uns mehrere hundert Kilometer, aber schreiberisch (und privat) liegen wir auf einer Wellenlänge. Sie ist nicht nur eine meiner treuen Testleserinnen, sondern auch mein erster Notfallkontakt für Plotprobleme, aufmüpfige Protagonisten und andere schreiberische Wehwehchen.

http://annette-juretzki.de/

Der erste Teil von Annettes Science-Fiction-Zweiteiler „Sternenbrand I – Blind“ erscheint im Juli 2017 beim Traumtänzer Verlag. Bereits im Dezember folgt der zweite Band: „Sternenbrand II – Blau“.

Aber obwohl es sich bei „Blind“ um ein Romandebüt handelt, ist die Autorin kein unbeschriebenes Blatt. Aus Annettes Feder stammt bereits die Kurzgeschichte „Als Hylios brannte“, zu lesen in der Anthologie „In seiner Hand“ (Incubus Verlag) und die beiden DSA-Abenteuer „Kaiser der Diebe“ und „Krötengold“ (beide erschienen Ulisses Spiele).

Mit mir plaudert Annette über ihren „ersten, richtigen Roman“, das Schreiben an sich und über ghitanische Wutausbrüche.

Liebe Annette, ich durfte deine beiden Romane „Blind“ und „Blau“ betalesen und weiß daher, dass sie etwas anders sind als die meisten klassischen Gay-Romance-Romane. Nicht nur, weil ein Sci-Fi-Plot im Vordergrund steht. Erzähl doch mal, worauf sich die Leser*innen bei deinem Debüt freuen dürfen.

Oje, gleich die schwerste Frage zu Anfang, denn ich bin doch so wahnsinnig schlecht im Zusammenfassen^^ Aber ich versuch es mal: „Sternenbrand“ spielt in einer unbestimmten Zukunft, lange nach dem Ende eines verheerenden Krieges, der die Spezies der Milchstraße dazu gezwungen hat, gemeinsam etwas Neues aufzubauen. Noch immer ist unklar, wer damals die Galaxis angriff – was Jonas Brand mit seiner Crew aus Menschen und Aliens (und KIs) endlich herausfinden will. Dabei stößt er ziemlich rasch auf Xenen, der irgendwie mit dem alten Krieg zusammenhängt, ohne es selbst zu wissen – und der Jonas dazu noch gefällt. Damit steht Jonas aber nicht alleine da: Auch Zeyn, ein Ghitaner, versteht sich mehr als nur gut mit Xenen. Aber nicht nur zwischen„menschliche“ Reibereien halten die Crew auf Trab, denn irgendwer scheint großes Interesse daran zu haben, dass sie mit ihrer Spurensuche nicht vorankommen – und er oder sie schreckt vor nichts zurück.

Kurzum: Es geht um ein Weltraumabenteuer mit Außerirdischen, PewPew-Laserwaffen, uralten Alien-Artefakten und Kerlen, die sich lieber gegenseitig bekriegen, als sich zu verlieben.

Neben Menschen spielen auch viele andere Spezies eine tragende Rolle in deinen Romanen. Ich hoffe, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass ein Ghitaner namens Zeyn nicht nur einer der Protas, sondern auch ein Love Interest ist. Worin liegt der Reiz für dich, von einer Liebesbeziehung zu erzählen, die so ganz anders ist als das, was die meisten als „normale Beziehung“ klassifizieren würden?

Tja, was ist denn eine „normale Beziehung“? *g* Ich muss zugeben, genau das ist es, was ich an Fantasy und Sci-Fi so toll finde: Ich kann alternative Gesellschaftskonzepte ausprobieren – und zwar nicht in der Außenseiterrolle, sondern als Norm. Die Ghitaner leben in einer bisexuellen Vierer- statt Zweier-Beziehung zusammen, und sind dabei noch nicht einmal monogam. Zeyn kennt also keine Eifersucht, verbindet Sex aber auch nicht mit Gefühlen.

Das spannende für mich ist dabei zuzuschauen, wie nun zwei verschiedene Konzepte aufeinanderprallen – und zwar eben nicht aus der Sicht, dass sich einer bewusst ist, dass er einen ungewöhnlichen Lebensstil vertritt. Beide halten ihren Lebensentwurf für den normalen und müssen gemeinsam improvisieren, um zueinander zu finden. Denn so befindet sich niemand in der undankbaren Rolle, einem anderen etwas Ungewöhnliches aufdrängen zu wollen, man muss sich gemeinsam dem anderen anpassen.

Das gilt übrigens nicht nur für Beziehungen: Das ghitanische Militär hält es z. B. mit der Hierarchie ein ganzes Stück anders, als wir es gewohnt sind – was Jonas immer wieder zum Stolpern bringt.

Durch das Betalesen weiß ich, dass Zeyn nicht unbedingt ein einfacher Charakter ist. Ich sage nur: ghitanische Wutausbrüche mit zertrümmertem Raumschiffinventar. Stell uns deine drei Protas doch bitte kurz vor:

Als ersten haben wir da Xenen, mit Anfang 20 ein vergleichsweise junger Mann, der von einem eher rückständigen Planeten stammt. Seine herausragendste Charaktereigenschaft und gleichzeitig größte Schwäche ist seine Neugier, denn so ist er zwar absolut unvoreingenommen gegenüber Neuem und Anderem, schafft es aber ständig, sich selbst in Schwierigkeit zu bringen. Wobei … zumindest diesen Aspekt teilt er sich mit noch ein paar anderen im Roman *g*

Jonas ist da ein stückweit das Gegenteil: Als Captain des Raumschiffs ist eher der Planer, der alles durchdenkt, statt impulsiv vorzupreschen. Dadurch wirkt er im ersten Moment sehr kalt und berechnend, und kann als Anführer ein ganz schöner Kontrollfreak sein, weil es ihm schwerfällt, anderen zu vertrauen, dass sie keinen Mist bauen, wenn er sie nicht ständig überwacht.

Und zu guter Letzt ist da noch Zeyn, der als Ghitaner quasi die Personifikation von Impulsivität ist und Jonas somit die Sache mit dem Vertrauen nicht gerade leichtmacht. Zeyn ist sehr direkt anderen gegenüber und scheut keine Konfrontation. Dafür ist er aber auch sehr ehrlich – wenn auch auf eine sehr sarkastische Art 😉

Jetzt mal Hand aufs Herz: Hast du einen Lieblingsprotagonisten? Oder hat sich sogar einer der Nebencharaktere heimlich in dein Herz geschlichen?

Ich muss zugeben, mir haben es vor allem meine beiden Chaoten ziemlich angetan: Zeyn und Ghost_01. Ghost ist eine junge Hackerin, die sich als Gefangene auf dem Raumschiff befindet, da sie eben eine recht eigene Rechtsauffassung hat. Beide haben gemein, dass ich mir in Szenen immer überlegen durfte, was das unpassendste ist, was jemand sagen oder tun kann – und zack, da hat’s einer von beiden auch schon gemacht *g* Deshalb habe ich es auch irgendwann aufgegeben, Szenen mit den beiden genauer zu planen, und habe mich einfach überraschen lassen, was wohl als nächstes passiert. Unglaublich, wie viel Spaß das gemacht hat!

Wenn man mal von dem Chaos-Faktor absieht, sind die beiden allerdings sehr verschieden, denn Ghost ist im Gegensatz zu Zeyn nicht impulsiv, sondern wie Jonas eine Planerin. Ihre Pläne sind nur teilweise sehr skurril 😉

Traumtänzer ist noch ein sehr junger Verlag. Worin besteht der Reiz für dich, dort zu veröffentlichen?

Mich reizt es, (fast) von Anfang an dabei zu sein, wenn etwas Neues entsteht 🙂 Ich bin niemand, der einen perfekten Plan braucht, um sich wohl zu fühlen, sondern mag es auch, wenn hier und da etwas improvisiert wird. Außerdem gibt Traumtänzer auch Gay-Geschichten abseits von Romance eine Chance, und das gefällt mir.

Und zu guter Letzt, erzähl doch bitte noch, welche Projekte du in Planung hast. Worauf dürfen sich die Leser*innen zukünftig freuen?

Im Moment sitze ich noch über meinem letztjährigen Nano-Projekt, einem Fantasy-Roman im Stil eines slawischen Märchens um eine dunkle Magierin, die auszieht, ein verwunschenes Königreich zu befreien. Und dann gibt es da noch meinen allerersten Roman mit schwulen Charakteren, den ich peinlicherweise noch immer nicht fertig geschrieben habe. Da geht es richtig schön dreckig zu, im Mittelpunkt stehen ein Deserteur und ein Nekromant, die eigentlich auf verschiedenen Seiten in dem Krieg stehen, der in ihrem Land tobt. Aber wenn umgeben von Untoten ist, rückt man schon einmal etwas dichter zusammen 😉

Außerdem kann ich mir durchaus vorstellen, dass Sternenbrand irgendwann einmal einen dritten oder sogar noch mehr Teile bekommt. Auch wenn ich (noch) nichts Konkretes geplant habe – aber hey, seit wann warten Plotbunnys auf den rechten Zeitpunkt? 😉

Liebe Annette, es war schön, mit dir über deine Romane zu plaudern. Ich bin schon sehr gespannt, wie Jonas, Xenen und Zeyn bei den Leser*innen ankommen werden und wünsche dir viel Erfolg mit deinem Debüt! *drück*

 

Die Bildrechte für das Cover liegen beim Traumtänzer-Verlag.